Arktis-Abenteuer · Teil 4 von 6
November 2025 · Finnland, Norwegen
Inari, Polarlichter und weiter nach Kirkenes

Entwurf – der Text wird noch aus den Videos und Instagram ergänzt
Rentiere am Straßenrand, unser erstes Polarlicht, eine offene Wildnishütte am See, spiegelglatte Straßen und Geschichte in Kirkenes.
Am Vorabend waren Polarlichter angesagt, aber der Himmel blieb zu. Also wird vormittags noch gearbeitet, und um halb eins starten wir Richtung Inari: viereinhalb Stunden laut Navi, Ankunft wieder im Dunkeln. Kaum unterwegs, stehen rechts die ersten Rentiere. Die sind übrigens gar nicht schreckhaft, ganz anders als die Rehe bei uns zu Hause.
Die Strecke auf der E75 von Rovaniemi nach Inari ist wunderschön, überall Seen und Flüsse. Und dann das letzte Stück hoch zum Stellplatz im Stockdunkeln: Ohne Zusatzscheinwerfer bist du hier oben arm dran. Was normale Scheinwerfer hergeben, ist ein Witz.
Auf einmal alles grün
Oben angekommen schneit es ganz leicht. Am Wanderparkplatz sind die Toilettenhäuschen zugesperrt, ein Schild verrät, dass hier ein Wandergebiet ist. Edith kocht gebratene chinesische Nudeln mit Ei und Gemüse, und die Polarlicht-Prognose für die nächsten Stunden sieht richtig gut aus.
Und dann ist es so weit: Auf einmal ist alles grün. Schnell raus! Unser erstes Polarlicht. Die Akkus sind fast leer, die Finger kalt, aber es ist unglaublich schön. Alle Fotos und Videos haben wir mit dem Handy gemacht, ohne Filter und ohne Bearbeitung. Mit bloßem Auge sichtbar, voller Magie.
Die Sami und das Nordlicht: Für die Sami waren die Nordlichter etwas viel Tiefgründigeres, nämlich die tanzenden Seelen der Verstorbenen. Aus Respekt vor den Ahnen verhielt man sich still, wenn das Nordlicht erschien. Pfeifen, Singen oder Winken galt als respektlos. Der Legende nach konnten die Lichter sonst herabschweben, einen in den Himmel entführen oder einem sogar den Kopf abschneiden. Für uns waren sie zum Glück ungefährlich und einfach traumhaft schön. Ein paar Spanier geben uns noch Tipps für Plätze mit weitem Blick, da wollen wir am nächsten Tag hin.
Wanderung zur Hütte am See
Am nächsten Nachmittag hat Edith Manni überredet: Es wird gewandert. Hier würde eigentlich unsere erste Skitour starten, aber Schnee liegt noch keiner. Also geht es zu Fuß gut anderthalb Kilometer zum Tuulisjärvi, einem See, dessen Namen wir nicht aussprechen können. Der Boden ist fast durchgefroren und läuft sich angenehm. An den Bäumen hängen Reflektoren, damit man den Weg im Winter mit der Stirnlampe findet, und Kreuze markieren Wanderweg und Langlaufloipe.
Am See steht eine Hütte, und sie ist offen: mit Ofen, Kochstelle, Gas und Brennholz, nicht zu knapp. Hätten wir bloß Schlafsäcke und Isomatten dabei! Und ein Feuerzeug: Die Streichhölzer in der Hütte sind alle schon abgebrannt. Schade, hier hätten wir lange bleiben können. Gut zu wissen: Die letzten Kilometer Schotterstraße zu diesem Spot wurden gerade erneuert, Schlaglöcher gibt es also keine mehr. Die Aussicht über den spiegelglatten See ist ein Traum. Zurück im Auto: -1 Grad. Das wird noch lustig, wenn es zweistellig minus wird. Zum Aufwärmen gibt’s heiße Schokolade mit Sahne und Karamell, und eine Wärmflasche für die Füße.
Spiegelglatt nach Kirkenes
Am Polarlicht-Hotspot ist es am Abend bewölkt, also fahren wir weiter Richtung Kirkenes und bleiben auf halber Strecke stehen. Am Morgen dann diese Aussicht! Draußen -3 Grad, drinnen gemütliche 19 Grad dank Standheizung, und der See beginnt zu gefrieren. Das Morgenlicht hier oben ist einfach etwas anderes als bei uns.
Die Straßen sind spiegelglatt. Bremsen? Dann stehst du nach 10 Metern. Ein kleiner Hügel, ein bisschen zu viel Gas, und die Räder drehen durch. Kurz vor Kirkenes verändert sich die Landschaft komplett: kaum noch Wald, dafür Hügel, Steine und sehr, sehr viel Wasser.
Kirkenes
Wir parken bei der Kirche, im Sommer sicher ein toller Platz mit Blick aufs Meer. Wir sehen ein Haus, das einfach auf einen alten Bunker gebaut wurde, und das Befreiungsdenkmal: Kirkenes war von deutschen Truppen besetzt und wurde 1944 als erstes norwegisches Gebiet von der Sowjetunion befreit. Das Denkmal erinnert an alle Soldaten, die in diesem unnötigen Krieg gestorben sind.
Den Bunker kann man eigentlich mit Führung besichtigen (300 Kronen, 30 Minuten), aber wir sind zu spät. Auf dem Dorfplatz erinnert ein Denkmal von 1994 an die Frauen, die sich während des Krieges um Kinder und alles andere gekümmert haben. Auf dem Spielplatz gibt es statt Klettergerüsten Kletter-Krabben. Bis Innsbruck sind es übrigens 1700 Kilometer. An die Rückfahrt wollen wir noch gar nicht denken.
Danach geht’s mit gefrorenen Fingern zurück ins Auto. Neue Koordinaten: 120 Kilometer, die letzten 10 bis 12 davon sollen es in sich haben.
Nächstes Mal: die Wanderung zum Dreiländereck von Norwegen, Finnland und Russland.








