Arktis-Abenteuer · Teil 8 von 8

November 2025 · Norwegen, Finnland

Eiszeit im Van

Raureif-Birken im Sonnenaufgang bei minus 18 Grad, unten der Weg zum gefrorenen Wasserfall

Von Alta über die E45 nach Finnland – und jeden Tag wird es kälter. Scheiben von innen vereist, Heizungstausch bei -24 Grad, das Kühlwasser weg und zum Abschluss Langlauf in Levi.

Sonntagabend in Alta war alles zu, also bleiben wir die Nacht auf dem Parkplatz direkt neben der Kathedrale. Abends laufen wir noch durch die leergefegte Fußgängerzone: Lichterketten, Weihnachtsbäume, Schnee und -15 Grad. Es weihnachtet schon sehr, nur der Glühweinstand fehlt.

Die Nordlichtkathedrale in Alta

Am Montagmorgen öffnet die Nordlichtkathedrale, und wir dürfen sogar filmen. Innen ziehen sich Lichtlinien über die Betonwände, im Turm hängt eine goldene Jakobsleiter, siebeneinhalb Meter hoch, und vorne steht eine Christusfigur aus Bronze, 4,5 Meter hoch und mit Sockel über zwei Tonnen schwer. Ein wunderschönes Gebäude, außen wie innen.

Gut zu wissen: Die Kathedrale wurde im Februar 2013 eingeweiht. Rein rechnerisch kann man hier jeden Tag Polarlichter sehen. In der Realität ist es oft bewölkt, und im Sommer wird es gar nicht dunkel. Den Polarlicht-Film nebenan haben wir uns bewusst nicht angesehen: Danach, sagen viele, sind echte Polarlichter nur noch halb so schön. Und unsere waren bisher ein Traum.

Tipp: Besichtigen kann man die Kathedrale nur von 10 bis 13 Uhr. Der Parkplatz direkt daneben ist nachts kostenlos, tagsüber (10 bis 18 Uhr) kostet er etwa 4 € pro Stunde.

Winterwunderland auf der E45

Weiter geht es auf der E45 Richtung Kautokeino. Die Straße ist gut befahrbar und die Landschaft ein Traum: verschneiter Wald im rosa Licht, so weit man schaut. Um 14 Uhr wird es schon wieder dunkel, und die Stellplatzsuche wird schwierig. Fast nichts ist geräumt, auch mit Allrad keine Chance. Also wird es wieder mal ein Rastplatz.

Zum Essen gibt’s Chili ohne Carne, schön scharf, damit es uns wärmt. Draußen essen ist bei -17 Grad nicht drin. Aber kurz die Schiebetür auf, damit die Kochfeuchtigkeit rauskommt, das geht. (Natürlich auch fürs Foto 😉)

Minus 18 und ein gefrorener Wasserfall

Am Dienstagmorgen hat es -18 Grad. Unsere kleine 2-kW-Dieselheizung lief die ganze Nacht auf Hochtouren und tut sich richtig schwer. Auch der Motor ist alles andere als begeistert. Also lassen wir erst mal die Motorstandheizung laufen und spazieren in der Zwischenzeit bei Sonnenaufgang zum gefrorenen Wasserfall. Der Fluss dampft, die Birken sind voller Raureif, mega anzusehen. Nach einer Viertelstunde sind wir trotz drei Schichten durchgefroren. Das Schlimmste sind die Finger: Handschuhe aus, Foto, Handschuhe wieder an.

Zurück am Van sind die Scheiben von innen vereist. Kratzen geht nicht, also muss der Föhn her. Mal eben schnell losfahren war also nichts.

Minus 20, Eissee und heiße Schoki

Unterwegs knacken wir die -20 Grad, neuer Rekord auf unserem Roadtrip. Fotos durchs Seitenfenster gibt es leider keine, das ist zugefroren. Am Nachmittag laufen wir noch über einen zugefrorenen See in den Sonnenuntergang. Danach sind unsere Zehen fast erfroren, da hilft nur noch heiße Schokolade mit viel Sahne und Karamellsoße im warmen Van. Warm? Denkste, nur 12 Grad.

Die Heizung kommt an ihre Grenzen. Manni schneidet Isomatten für den Boden zurecht, das bringt spürbar etwas. Später friert auch noch der Abfluss vom Waschbecken ein. Rohre heizen, reinpusten, alles ohne Erfolg. Abends gehen wir noch kurz raus und schauen Polarlichter: draußen -24 Grad, drinnen immer noch nur 14. Also Wärmflasche, Kuschelsocken und Tee im Bett.

Heizungstausch bei minus 24 Grad

Am Mittwochmorgen wachen wir mit kalter Nase auf. Die ganze Nacht um die -24 Grad, die kleine Heizung lief ständig auf voller Last, und trotzdem hatte es im Van nur noch 10 bis 14 Grad. Zum Glück haben wir für den Notfall die große 5-kW-Heizung dabei, mit Ersatzkabel und Pumpe. Also raus, unters Auto und tauschen. Die Kabel passen Plug and Play, nur die Heizung sitzt beim ersten Versuch verkehrt herum drin. Beim zweiten Mal läuft sie, und es wird endlich warm.

Zwei Stunden später als geplant wollen wir los: Motorstandheizung an, Scheiben enteisen. Pustekuchen! Die Standheizung geht sofort wieder aus. Unter der Haube dann das Dilemma: Das Kühlwasser ist weg. Wir sehen schon den ADAC vorfahren, dann ist die Ursache gefunden: zwei lockere Rohrschellen, vermutlich von den holprigen Straßen oder der Kälte. Schellen nachgezogen, mit Frostschutz-Konzentrat aufgefüllt, und der Motor springt bei der Kälte zwar widerwillig, aber doch an. Am Ende ist wieder alles gut, aber was ein Tag. Der Abfluss ist übrigens immer noch gefroren.

Über die Grenze nach Levi

Um halb zwölf geht es endlich los, bei schönstem Sonnenschein Richtung Finnland. An der Grenze will keiner etwas von uns. Unterwegs laufen Rentiere neben der Straße, und das Thermometer zeigt -26 Grad, unser neuer Kälterekord.

Weil auch hier kaum ein Platz geräumt ist, fahren wir nach Levi und stellen uns an den Skilift, wo auch andere Camper stehen. Im Ort schauen wir auf die Pizzapreise: Margherita 14,90 €, Salami knapp 19 €. Das überlegen wir uns noch mal. Stattdessen gibt es zwei Bier, und wie es der Zufall will, treffen wir einen Südtiroler, der hier mit dem Schweizer Nationalteam trainiert.

Tipp: Bei solchen Minusgraden das Handy warm halten. Bei uns kam erst die Meldung „extreme Kälte“, nach ein paar Sekunden war der Akku auf 10 %, und dann ging es aus.

Langlauf bei minus 23 Grad

Am Donnerstag geht es ganz ohne Föhn. Wir wollen zur Loipe, sehen beim Losfahren zwei Langläufer und fahren einfach hinterher. Ergebnis: Wir standen quasi direkt neben der Loipe, es war am Abend nur zu dunkel, um das zu sehen.

Drei, vier Lagen an, und dann bei -23 Grad ab auf die Ski. Nach kurzer Zeit sind Haare und Wimpern weiß gefroren. Am Körper geht es mit den vielen Schichten, aber Zehen und Finger sind irgendwann durch, und die kalte Luft beim Einatmen ist richtig anstrengend. Gefühlt zwei Stunden Extremsport. Schön war es trotzdem.

Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Ylläs und stellen uns auf einen Wanderparkplatz, die Loipe direkt nebenan. Um halb vier ist es zappenduster. Es gibt Pizza, und dann geht es ab ins Bett. Wir sind platt.

Unser Fazit

  • Heizung: Eine 2-kW-Dieselheizung reicht für normale Winter, für -20 Grad und kälter ist sie zu schwach. Gut, wenn man Ersatz dabei hat.
  • Scheiben: Vereisen bei solchen Temperaturen von innen. Der Föhn hilft, wenn man Strom hat.
  • Boden: Ohne doppelten Boden kommt die Kälte von unten. Isomatten bringen schon viel.
  • Motor: Frostschutz-Konzentrat und Werkzeug dabeihaben, und ab und zu die Rohrschellen kontrollieren.
  • Stellplätze: Im Winter sind viele Rastplätze nicht geräumt. Lieber früh suchen, solange es hell ist.
Die Nordlichtkathedrale in Alta bei Nacht, davor beleuchtete Tannenbäume
  • Verschneite E45 zwischen tief verschneiten Fichten im rosa Licht
  • Chili an der offenen Schiebetür, draußen Raureif
  • Mit Stirnlampe im verschneiten Birkenwald am Rastplatz
Verschneite E45 zwischen tief verschneiten Fichten im rosa Licht
Auf dem verschneiten Weg zum Wasserfall, die Sonne knapp über dem Horizont
Das Display im Van zeigt minus 20 Grad
Das Display zeigt minus 24 Grad
  • Ein Rentier läuft durch den verschneiten Birkenwald
Ein Rentier läuft durch den verschneiten Birkenwald
Der gelbe Van auf dem Parkplatz am Skilift in Levi

Das Video zu diesem Teil